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    <title>Gewaltfrei &amp;mdash; Dialog und Sinn</title>
    <link>https://dialogundsinn.de/tag:Gewaltfrei</link>
    <description>Coaching, Mentoring und Mediation</description>
    <pubDate>Wed, 29 Apr 2026 16:02:30 +0000</pubDate>
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      <title>Gewaltfrei &amp;mdash; Dialog und Sinn</title>
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      <title>Gefühle - muss das sein?</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Ab und zu bekomme ich Anfragen von Unternehmen. Machen Sie doch mal was mit Gefühlen und am besten noch was mit Empathie. Mit Empathie sollen dann die Mitarbeiter mit Freude noch die letzte Meile gehen. Und vielleicht können wir dann auch noch was mit Bedürfnissen dran hängen. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Oft hat dann jemand das Buch Reinventing Organisations von Laloux gelesen oder auf einem Seminar etwas davon gehört.&#xA;&#xA;Herausfordernd wird oft, wenn man auf der Arbeit New Work begegnet, aber eigentlich ganz froh wäre, wenn man einfach nur seine Arbeit machen könnte und auf der Arbeit keinen meine Gefühle was angehen.&#xA;&#xA;Nur selten ist klar, was Gefühle eigentlich sind. Oft ist es irgendwas Diffuses, was eigentlich mehr ins Privatleben gehört. Bei der Arbeit, haben Gefühle eigentlich nicht viel zu suchen. &#xA;&#xA;Oder doch? Manchmal ist man vielleicht wütend auf jemand oder „fühlt“ sich klein - oder nach einem Erfolg ist man euphorisch.&#xA;&#xA;Ob wir es wollen oder nicht, sind uns Gefühle ständig präsent, sei es im Privatleben oder bei der Arbeit. Mal sind sie stärker, ein andermal ahnt man sie nur. Gefühle sind wie die Hintergrundmusik unseres Lebens. Bei manchen Leuten hört sich das wie ein Orchester an - bei anderen vielleicht nur wie ein einsames Jagdhorn.&#xA;&#xA;Wer schon mal mit Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg in Kontakt gekommen ist, weiß, dass Gefühle ein wichtiger Indikator für die Bedürfnisse unseres Organismus sind. Rosenberg hat das mit dem Warnsignalen im Armaturenbrett eines Fahrzeugs verglichen. Wenn etwas rot blinkt, ist das ein Signal, dass irgendwas in dem System Auto nicht stimmt und man besser schnell nachschaut, bevor größere Schäden entstehen.&#xA;&#xA;Die vorhin erwähnte Metapher mit der Hintergrundmusik habe ich übrigens sowohl bei Marshall Rosenberg als auch in einem Fachbuch zur Neurobiologie gefunden.&#xA;&#xA;Was sind denn nun Gefühle: &#xA;&#xA;Gefühle sind die Ergebnisse von Bewertungen über den Zustand unseres Organismus. Diese Bewertungen finden ständig, jeden Moment unseres Lebens statt. Gefühle sind immer bewusst und zeigen uns den Zustand unseres Organismus in jedem Augenblick an. Das geht ziemlich direkt, da unser Gehirn und unser Körper über das zentrale Nervensystem als Einheit verbunden sind. Es findet eine sehr direkte, immer vorhandene und intensive Kooperation zwischen Gehirn und unserem Körperinneren statt. Und oft bekommen wir von der Kooperation gar nicht so viel mit wie z.B. bei unserem Immunsystem. Das bemerken wir oft erst, wenn die Nase läuft, der Hals kratzt oder wir Fieber haben.&#xA;&#xA;Gefühle sind sozusagen Insider, die uns signalisieren, wie so der Allgemeinzustand unseres Körpers ist. Wie gesagt über unser Nervensystem sind Gehirn und Organismus in ständigem Austausch. Selber nachschauen können wir ja nur bedingt, ob Herz, Lunge oder Magen in Ordnung sind. Wenn es da irgendwo klemmt, spüren wir vielleicht ein Unwohlsein im Magen/Darm Bereich oder ein Herzstolpern oder Atemnot. Und dann wissen oder ahnen wir, wir sollten vielleicht zum Arzt gehen oder uns mal hinlegen oder ähnliches.&#xA;&#xA;Gefühle sichern unser Leben, indem sie uns, wie die oben erwähnten Signallämpchen im Auto, darauf hinweisen, dass entweder irgendwo in unserem Körper etwas nicht in Ordnung ist und natürlich auch, das gerade alles in Ordnung ist. Uns geht es gut, wir dürfen gerade so sein wie wir sind, so könnte es jetzt bleiben. In diesem Momenten fühlen wir Entspannung und Wohlergehen.&#xA;&#xA;Aber wir sind nicht nur unser Organismus - wir leben in und mit einer Umwelt, die wir über unsere Sinne erfahren und erspüren. Unser Organismus beurteilt ständig, in jedem Augenblick seine Umwelt, um sein Leben und Weiterleben zu sichern. Bedrohungen müssen rechtzeitig erkannt werden aber auch lebenssichernde Kooperationen mit anderen Menschen, Tieren und anderen lebenden Organismen müssen beurteilt und bewertet werden. Dafür gibt es interne Regelabläufe, oder auch Erlebnisnetzwerke oder neuronale Netzwerke wie auch immer man das bezeichnen mag. Diese laufen oft ganz unbewusst und unwillkürlich ab und werden durch Auslöser oder Trigger ausgelöst. &#xA;&#xA;Kampf, Flucht oder regungslos bleiben bei Gefahr kennen Sie bestimmt. Oder der Gesichtsausdruck verändert sich, das Herz schlägt schneller, die Atemfrequenz steigt. Das  sind Reaktionen, die wir meist gar nicht direkt beeinflussen können, weil das sehr schnell geht. Diese körperlichen Reaktionen auf äußere Ereignisse  lösen dann wieder wie oben beschrieben Gefühle aus, weil eben als Folge körperliche Veränderungen in uns statt finden, die uns vielleicht entspannen und gut fühlen lassen -vielleicht bei einem guten Gespräch mit einem netten Menschen. Oder wenn wir uns bedroht fühlen, wenn uns jemand etwas sagt, das wir nicht mögen. &#xA;&#xA;Auslöser oder Trigger dieser Erlebnisnetzwerke können bestimmte Formulierungen, Bewertungen, Farben, Geräusche, Düfte, Farben und noch viel, viel mehr sein. Aber auch Erinnerungen, Ideen oder Vorstellungen können solche Erlebnisnetzwerke aktivieren oder anspringen lassen.&#xA;&#xA;Manche dieser Netzwerke haben wir als Menschen gemeinsam. Fight or flight wie vorhin erwähnt, oder wir krümmen uns automatisch, um bei erwarteten körperlichen schweren Einwirkungen unsere inneren Organe zu schützen. Oder wir fühlen uns wieder ganz klein – körperlich oder bezüglich des Alters.&#xA;&#xA;Andere Netzwerke bilden sich automatisch, wenn bestimmte Situationen emotional geladen sind. Zum Beispiel reagieren manche Menschen in Konflikten mit Rückzug andere Menschen mit Aggression. Wie oben beschrieben, passiert das oft ganz automatisch, weil diese Reaktionen früher hilfreich waren und sie als Strategie gespeichert wurden, um Bedürfnisse zu erfüllen oder zu schützen. Wenn ich z.B. in einer Familie aufwachse, in der ich immer bestraft oder  bloßgestellt werde, wenn ich etwas mache, das nicht ins Familiensystem passt, ist vielleicht  Rückzug eine sinnvolle Reaktion und nur noch das zu machen, was von mir erwartet wird. Das ist in dem Kontext eine durchaus sinnvolle Reaktion, weil mich das vor emotionalen oder  unter Umständen auch physischen Verletzungen schützt. Unser Organismus speichert sich das dann ab, um nicht jedes mal neu eine gute Strategie finden zu müssen. &#xA;&#xA;Als Erwachsene ist die Strategie Rückzug im Konflikt dann wahrscheinlich von außen betrachtet nicht mehr die allerbeste. Von innen betrachtet gibt mir das aber immer noch die Sicherheit, nicht mehr das erleben zu müssen, was ich damals in einem anderen Kontext erlebt habe.&#xA;&#xA;Diesen gelernten Erlebnisnetzwerken sind wir aber keineswegs ausgeliefert. Sie können aktiv verändert werden, wenn wir uns ihrer bewusst werden. Anlass für Veränderung ist meistens, dass uns was an unserem Verhalten stört, was wir uns auf bewusster Ebene nicht erklären können, oder das vielleicht andere etwas an uns stört und uns dann irgendwann dann doch ins Nachdenken kommen lässt. &#xA;&#xA;Gefühle sind also ständig präsente, wichtige, ja lebenswichtige Begleiter in unserem Leben. Sie zeigen uns an, was wir brauchen um unser Leben aufrechterhalten zu können. &#xA;&#xA;Gefühle können von anderen Menschen, Ereignissen oder Erinnerungen ausgelöst werden. Aber letztlich sind wir selbst für unsere Gefühle und wie wir mit Ihnen umgehen verantwortlich. Das ist nicht immer einfach. Auch weil wir im Laufe unserer persönlichen Entwicklung von „Autoritäten“ (Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, etc.) oft mitgeteilt bekommen, dass unsere Gefühle nicht so wichtig sind. Fängt schon damit an, wenn man jemand sagt, der einem mitteilt, dass er Angst hat, Du brauchst doch keine Angst haben, weil das und das so und so ist. Ist doch alles nicht so schlimm.&#xA;&#xA;Das führt dazu, dass wir Geschichten und Stories erzählen, um die Gefühle etwas runterzudämmen. Um die obige Autometapher mit den Signallämpchen noch etwas zu erweitern: Wir schalten das Radio im Auto lauter, wenn es ein störendes Geräusch im Auto gibt.&#xA;&#xA;Mit manchen Gefühlen kommen wir einfach nicht mehr gerne in Kontakt, weil wir gelernt haben, dass es nicht gut oder sogar gefährlich ist, eigene Bedürfnisse und Gefühle zu äußern. Und damit haben wir auch gelernt, dass andere Leute, seien es Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Partner, Politiker, Kleriker, Fernsehmoderatoren, Helden in Spielfilmen und und und wissen was gut oder schlecht für uns ist. Also ist das, was ich vielleicht so ganz von Ferne in mir als Gefühle spüre, besser nicht zu beachten. Könnte ja gefährlich sein, sich eigene Bedürfnisse einzugestehen. Und auch noch anderen  seine Bedürfnisse mitzuteilen – vielleicht doch lieber nicht. Das macht sehr verletzlich und manche Verletzungen will man einfach nicht mehr erleben.&#xA;&#xA;Wir speichern zwar sehr viele Elemente als Teil unserer neuronalen Netzwerke oder Erlebnisnetzwerke. Gefühle werden jedoch nicht abgespeichert. Gefühle werden jeden Augenblick unseres Lebens neu erzeugt – abhängig von  den Zuständen unseres Organismus oder eben von den Elementen der Erlebnisnetzwerke, die aufgrund von externen Auslösern (Trigger) oder auch internen Auslösern (Gedanken, Stories, Erinnerungen, usw.) aktiviert werden.&#xA;&#xA;Manchmal wollen Leute einfach nichts von Gefühlen hören, weil sie sich selber schützen wollen. Und dann auch noch bei der Arbeit, wenn schon zuhause der Partner oder die Partnerin mit Gefühlen nervt. O jeh, oh jeh. Meiner Meinung nach sollte man das auch als Arbeitgeber respektieren. Man kann Angebote zur persönlichen Weiterentwicklung machen, sollte das aber nicht als mehr oder weniger subtile Zwangsmaßnahme einfordern.&#xA;&#xA;Wir haben nun mal Gefühle als zentrales Element unseres Lebendigseins und  unseres Bewusstseins. Sie ermöglichen uns, uns unserer Selbst bewusst zu sein. Wenn wir die Gefühle nun mal haben, könnten wir ja auch wieder lernen, gut mit ihnen umzugehen und die Infos, die sie uns ständig geben, auch zu nutzen, anstatt sie sich wegzuerzählen oder wegzudenken. Das ist gar nicht so schwer. Es ist hilfreich, sich schwierige Situationen, erstmal aus einer inneren Distanz anzuschauen. Schauen, was wirklich passiert ist. Das ist zwar meist nicht so genau möglich, aber durch das Distanzieren, das Einnehmen einer inneren Metaposition ändern sich oft auch schon die Gefühle. Unter der Aggression kommt manchmal die Angst hervor, unter der Scham vielleicht die Einsamkeit.&#xA;&#xA;Bei all den Entwicklungen und neuen Erkenntnissen der Neurowissenschaften kann man leicht in Versuchung kommen, alles neurobiologisch erklären zu können oder zu wollen. Das sind alles wohlfundierte Erklärungsmodelle - keine Frage.&#xA;&#xA;Die Beziehungen zwischen Menschen können nicht auf biologische Prozesse reduziert werden. Das Leben findet im Fluss ihrer bzw. unserer Beziehungen statt.&#xA;&#xA;#Gefühle #Emotionen #Gewaltfrei #GewaltfreieKommunikation #Beobachtung #Beobachter #MetaBeobachter #Beziehung #ErlebnisNetzwerke #NeuronaleNetzwerke&#xA;&#xA;------------------------------&#xD;&#xA;!--emailsub--&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a href=&#34;https://dialogundsinn.com&#34; target=&#34;blank&#34;Dialog  und Sinn/a&#xD;&#xA;Coaching, Mentoring und Mediation&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a href=&#34;https://dialogundsinn.de/feed&#34; target=&#34;blank&#34;RSS feed/a]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ab und zu bekomme ich Anfragen von Unternehmen. Machen Sie doch mal was mit Gefühlen und am besten noch was mit Empathie. Mit Empathie sollen dann die Mitarbeiter mit Freude noch die letzte Meile gehen. Und vielleicht können wir dann auch noch was mit Bedürfnissen dran hängen.</p>



<p>Oft hat dann jemand das Buch Reinventing Organisations von Laloux gelesen oder auf einem Seminar etwas davon gehört.</p>

<p>Herausfordernd wird oft, wenn man auf der Arbeit New Work begegnet, aber eigentlich ganz froh wäre, wenn man einfach nur seine Arbeit machen könnte und auf der Arbeit keinen meine Gefühle was angehen.</p>

<p>Nur selten ist klar, was Gefühle eigentlich sind. Oft ist es irgendwas Diffuses, was eigentlich mehr ins Privatleben gehört. Bei der Arbeit, haben Gefühle eigentlich nicht viel zu suchen.</p>

<p>Oder doch? Manchmal ist man vielleicht wütend auf jemand oder „fühlt“ sich klein – oder nach einem Erfolg ist man euphorisch.</p>

<p>Ob wir es wollen oder nicht, sind uns Gefühle ständig präsent, sei es im Privatleben oder bei der Arbeit. Mal sind sie stärker, ein andermal ahnt man sie nur. Gefühle sind wie die Hintergrundmusik unseres Lebens. Bei manchen Leuten hört sich das wie ein Orchester an – bei anderen vielleicht nur wie ein einsames Jagdhorn.</p>

<p>Wer schon mal mit Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg in Kontakt gekommen ist, weiß, dass Gefühle ein wichtiger Indikator für die Bedürfnisse unseres Organismus sind. Rosenberg hat das mit dem Warnsignalen im Armaturenbrett eines Fahrzeugs verglichen. Wenn etwas rot blinkt, ist das ein Signal, dass irgendwas in dem System Auto nicht stimmt und man besser schnell nachschaut, bevor größere Schäden entstehen.</p>

<p>Die vorhin erwähnte Metapher mit der Hintergrundmusik habe ich übrigens sowohl bei Marshall Rosenberg als auch in einem Fachbuch zur Neurobiologie gefunden.</p>

<p>Was sind denn nun Gefühle:</p>

<p>Gefühle sind die Ergebnisse von Bewertungen über den Zustand unseres Organismus. Diese Bewertungen finden ständig, jeden Moment unseres Lebens statt. Gefühle sind immer bewusst und zeigen uns den Zustand unseres Organismus in jedem Augenblick an. Das geht ziemlich direkt, da unser Gehirn und unser Körper über das zentrale Nervensystem als Einheit verbunden sind. Es findet eine sehr direkte, immer vorhandene und intensive Kooperation zwischen Gehirn und unserem Körperinneren statt. Und oft bekommen wir von der Kooperation gar nicht so viel mit wie z.B. bei unserem Immunsystem. Das bemerken wir oft erst, wenn die Nase läuft, der Hals kratzt oder wir Fieber haben.</p>

<p>Gefühle sind sozusagen Insider, die uns signalisieren, wie so der Allgemeinzustand unseres Körpers ist. Wie gesagt über unser Nervensystem sind Gehirn und Organismus in ständigem Austausch. Selber nachschauen können wir ja nur bedingt, ob Herz, Lunge oder Magen in Ordnung sind. Wenn es da irgendwo klemmt, spüren wir vielleicht ein Unwohlsein im Magen/Darm Bereich oder ein Herzstolpern oder Atemnot. Und dann wissen oder ahnen wir, wir sollten vielleicht zum Arzt gehen oder uns mal hinlegen oder ähnliches.</p>

<p>Gefühle sichern unser Leben, indem sie uns, wie die oben erwähnten Signallämpchen im Auto, darauf hinweisen, dass entweder irgendwo in unserem Körper etwas nicht in Ordnung ist und natürlich auch, das gerade alles in Ordnung ist. Uns geht es gut, wir dürfen gerade so sein wie wir sind, so könnte es jetzt bleiben. In diesem Momenten fühlen wir Entspannung und Wohlergehen.</p>

<p>Aber wir sind nicht nur unser Organismus – wir leben in und mit einer Umwelt, die wir über unsere Sinne erfahren und erspüren. Unser Organismus beurteilt ständig, in jedem Augenblick seine Umwelt, um sein Leben und Weiterleben zu sichern. Bedrohungen müssen rechtzeitig erkannt werden aber auch lebenssichernde Kooperationen mit anderen Menschen, Tieren und anderen lebenden Organismen müssen beurteilt und bewertet werden. Dafür gibt es interne Regelabläufe, oder auch Erlebnisnetzwerke oder neuronale Netzwerke wie auch immer man das bezeichnen mag. Diese laufen oft ganz unbewusst und unwillkürlich ab und werden durch Auslöser oder Trigger ausgelöst.</p>

<p>Kampf, Flucht oder regungslos bleiben bei Gefahr kennen Sie bestimmt. Oder der Gesichtsausdruck verändert sich, das Herz schlägt schneller, die Atemfrequenz steigt. Das  sind Reaktionen, die wir meist gar nicht direkt beeinflussen können, weil das sehr schnell geht. Diese körperlichen Reaktionen auf äußere Ereignisse  lösen dann wieder wie oben beschrieben Gefühle aus, weil eben als Folge körperliche Veränderungen in uns statt finden, die uns vielleicht entspannen und gut fühlen lassen -vielleicht bei einem guten Gespräch mit einem netten Menschen. Oder wenn wir uns bedroht fühlen, wenn uns jemand etwas sagt, das wir nicht mögen.</p>

<p>Auslöser oder Trigger dieser Erlebnisnetzwerke können bestimmte Formulierungen, Bewertungen, Farben, Geräusche, Düfte, Farben und noch viel, viel mehr sein. Aber auch Erinnerungen, Ideen oder Vorstellungen können solche Erlebnisnetzwerke aktivieren oder anspringen lassen.</p>

<p>Manche dieser Netzwerke haben wir als Menschen gemeinsam. Fight or flight wie vorhin erwähnt, oder wir krümmen uns automatisch, um bei erwarteten körperlichen schweren Einwirkungen unsere inneren Organe zu schützen. Oder wir fühlen uns wieder ganz klein – körperlich oder bezüglich des Alters.</p>

<p>Andere Netzwerke bilden sich automatisch, wenn bestimmte Situationen emotional geladen sind. Zum Beispiel reagieren manche Menschen in Konflikten mit Rückzug andere Menschen mit Aggression. Wie oben beschrieben, passiert das oft ganz automatisch, weil diese Reaktionen früher hilfreich waren und sie als Strategie gespeichert wurden, um Bedürfnisse zu erfüllen oder zu schützen. Wenn ich z.B. in einer Familie aufwachse, in der ich immer bestraft oder  bloßgestellt werde, wenn ich etwas mache, das nicht ins Familiensystem passt, ist vielleicht  Rückzug eine sinnvolle Reaktion und nur noch das zu machen, was von mir erwartet wird. Das ist in dem Kontext eine durchaus sinnvolle Reaktion, weil mich das vor emotionalen oder  unter Umständen auch physischen Verletzungen schützt. Unser Organismus speichert sich das dann ab, um nicht jedes mal neu eine gute Strategie finden zu müssen.</p>

<p>Als Erwachsene ist die Strategie Rückzug im Konflikt dann wahrscheinlich von außen betrachtet nicht mehr die allerbeste. Von innen betrachtet gibt mir das aber immer noch die Sicherheit, nicht mehr das erleben zu müssen, was ich damals in einem anderen Kontext erlebt habe.</p>

<p>Diesen gelernten Erlebnisnetzwerken sind wir aber keineswegs ausgeliefert. Sie können aktiv verändert werden, wenn wir uns ihrer bewusst werden. Anlass für Veränderung ist meistens, dass uns was an unserem Verhalten stört, was wir uns auf bewusster Ebene nicht erklären können, oder das vielleicht andere etwas an uns stört und uns dann irgendwann dann doch ins Nachdenken kommen lässt.</p>

<p>Gefühle sind also ständig präsente, wichtige, ja lebenswichtige Begleiter in unserem Leben. Sie zeigen uns an, was wir brauchen um unser Leben aufrechterhalten zu können.</p>

<p>Gefühle können von anderen Menschen, Ereignissen oder Erinnerungen ausgelöst werden. Aber letztlich sind wir selbst für unsere Gefühle und wie wir mit Ihnen umgehen verantwortlich. Das ist nicht immer einfach. Auch weil wir im Laufe unserer persönlichen Entwicklung von „Autoritäten“ (Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, etc.) oft mitgeteilt bekommen, dass unsere Gefühle nicht so wichtig sind. Fängt schon damit an, wenn man jemand sagt, der einem mitteilt, dass er Angst hat, Du brauchst doch keine Angst haben, weil das und das so und so ist. Ist doch alles nicht so schlimm.</p>

<p>Das führt dazu, dass wir Geschichten und Stories erzählen, um die Gefühle etwas runterzudämmen. Um die obige Autometapher mit den Signallämpchen noch etwas zu erweitern: Wir schalten das Radio im Auto lauter, wenn es ein störendes Geräusch im Auto gibt.</p>

<p>Mit manchen Gefühlen kommen wir einfach nicht mehr gerne in Kontakt, weil wir gelernt haben, dass es nicht gut oder sogar gefährlich ist, eigene Bedürfnisse und Gefühle zu äußern. Und damit haben wir auch gelernt, dass andere Leute, seien es Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Partner, Politiker, Kleriker, Fernsehmoderatoren, Helden in Spielfilmen und und und wissen was gut oder schlecht für uns ist. Also ist das, was ich vielleicht so ganz von Ferne in mir als Gefühle spüre, besser nicht zu beachten. Könnte ja gefährlich sein, sich eigene Bedürfnisse einzugestehen. Und auch noch anderen  seine Bedürfnisse mitzuteilen – vielleicht doch lieber nicht. Das macht sehr verletzlich und manche Verletzungen will man einfach nicht mehr erleben.</p>

<p>Wir speichern zwar sehr viele Elemente als Teil unserer neuronalen Netzwerke oder Erlebnisnetzwerke. Gefühle werden jedoch nicht abgespeichert. Gefühle werden jeden Augenblick unseres Lebens neu erzeugt – abhängig von  den Zuständen unseres Organismus oder eben von den Elementen der Erlebnisnetzwerke, die aufgrund von externen Auslösern (Trigger) oder auch internen Auslösern (Gedanken, Stories, Erinnerungen, usw.) aktiviert werden.</p>

<p>Manchmal wollen Leute einfach nichts von Gefühlen hören, weil sie sich selber schützen wollen. Und dann auch noch bei der Arbeit, wenn schon zuhause der Partner oder die Partnerin mit Gefühlen nervt. O jeh, oh jeh. Meiner Meinung nach sollte man das auch als Arbeitgeber respektieren. Man kann Angebote zur persönlichen Weiterentwicklung machen, sollte das aber nicht als mehr oder weniger subtile Zwangsmaßnahme einfordern.</p>

<p>Wir haben nun mal Gefühle als zentrales Element unseres Lebendigseins und  unseres Bewusstseins. Sie ermöglichen uns, uns unserer Selbst bewusst zu sein. Wenn wir die Gefühle nun mal haben, könnten wir ja auch wieder lernen, gut mit ihnen umzugehen und die Infos, die sie uns ständig geben, auch zu nutzen, anstatt sie sich wegzuerzählen oder wegzudenken. Das ist gar nicht so schwer. Es ist hilfreich, sich schwierige Situationen, erstmal aus einer inneren Distanz anzuschauen. Schauen, was wirklich passiert ist. Das ist zwar meist nicht so genau möglich, aber durch das Distanzieren, das Einnehmen einer inneren Metaposition ändern sich oft auch schon die Gefühle. Unter der Aggression kommt manchmal die Angst hervor, unter der Scham vielleicht die Einsamkeit.</p>

<p>Bei all den Entwicklungen und neuen Erkenntnissen der Neurowissenschaften kann man leicht in Versuchung kommen, alles neurobiologisch erklären zu können oder zu wollen. Das sind alles wohlfundierte Erklärungsmodelle – keine Frage.</p>

<p>Die Beziehungen zwischen Menschen können nicht auf biologische Prozesse reduziert werden. Das Leben findet im Fluss ihrer bzw. unserer Beziehungen statt.</p>

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      <guid>https://dialogundsinn.de/gefuhle-muss-das-sein</guid>
      <pubDate>Fri, 19 May 2023 09:09:51 +0000</pubDate>
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      <title>Ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg alltagstauglich?</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg alltagstauglich?&#xA;&#xA;Vielleicht kennen Sie auch die Aussagen von Mitmenschen, die von der GfK und/oder von Marshall Rosenberg sehr begeistert sind, dass Gewaltfreie Kommunikation im Alltag nicht so richtig funktionieren mag.  Oft wird bemängelt, das Sprechen in vier Schritten sei schwierig, weil man  viel zu lange braucht, bis man sein Anliegen „richtig“ formuliert hat. Und wenn man es dann mal geschafft hat, schaut man einem das Gegenüber etwas verwirrt an und fragt vielleicht, was man eigentlich weil, obwohl man doch auch  so ein schöne Bitte am Ende formuliert hat.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ja, das kann enttäuschend sein. Bei dem Wochenendseminar, bei dem man mit der Gewaltfreinen Kommunikation vielleicht zum ersten mal näher in Kontakt gekommen ist, hört sich das alles einleuchtend und faszinierend an. So ging mir das auch. Bei einer Einführungstagung zur GfK habe ich mich mit einer Mitteilnehmerin unterhalten und wir waren beide baff über die Erkenntnis, das wir auch Bedürfnisse haben dürfen, ohne uns gleich als egoistisch zu betrachten. Auch die Gespräche unter Einsatz der vier Schritte -  oft in kleinen Rollenspielen - waren sehr gut und ich ging mit einem guten Gefühl nach Hause. Ich habe dann im Alltag ausprobiert, was ich gelernt habe und dann auch schnell wieder die Lust verloren.&#xA;&#xA;Also doch nicht so alltagstauglich? Doch, zumindest wenn man die Gewaltfreie Kommunikation nicht alleine als Tool, als Vier-Schritte-Werkzeug betrachtet. So wie ich die Gewaltfreie Kommunikation verstehe, ist sie kein Kommunikationstool und auch keine Sprachform.&#xA;&#xA;Die vier Schritte – also beobachten ohne zu bewerten, Gefühle erleben und sie von Gedanken und Stories unterscheiden, Bedürfnisse wahrnehmen und sie von Strategien zu unterscheiden und konkrete Bitten, die zu Erfüllung meiner Bedürfnisse hilfreich sein können, stellen ohne sie vom Gegenüber einzufordern -  sind ein sehr hilfreiches Werkzeug, um herauszufinden, wie es Marshall Rosenberg ausgedrückt hat, was in mir lebendig ist und was im Anderen lebendig ist.&#xA;&#xA;Bevor ich mich überhaupt damit beschäftige, wie ich mit anderen besser kommunizieren kann – mit vier Schritten oder irgendwelchen anderen Tools – geht es darum, erstmal zu sich selber zu schauen. Wie sehe ich die Welt? Wie sehe ich andere Menschen? Hier stellen die vier Schritte ein sehr hilfreiches Mittel dar, nach einem Konflikt auf sich selber zu schauen. Was ist da genau passiert in der schwierigen Situation? Ohne zu bewerten - ohne den anderen abzuwerten - ohne mich selber abzuwerten - einfach nur mal in einer ruhigen Minute hinschauen.&#xA;&#xA;Das ist, so habe ich es erlebt, gar nicht so einfach, weil oft irgendwie ganz automatisch noch viel mehr an Gedanken und Geschichten mitkommt. Wenn der andere das und das gemacht hätte, wäre alles ganz anders gelaufen - wenn ich nicht so blöd gewesen wäre und das und das gemacht hätte, hätte ich die Oberhand behalten. So einfach mal relativ faktenorientiert eine Situation zu beschreiben ist nicht so einfach - aber enorm hilfreich. Weshalb? Bereits bei diesem ersten Schritt bewege ich mich unmerklich in eine Beobachterposition, d.h. ich distanziere mich von der erlebten Situation und vielleicht auch schon von den erlebten Gefühlen. Humberto Maturana nennt das eine Metabeobachterposition - Gunter Schmidt eine Metaposition mit Wahlmöglichkeiten – Viktor Frankl spricht von Selbstdistanz.&#xA;&#xA;Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation sind ein exzellentes Mittel, zu sich zu schauen, zu erforschen, was meine  Vorstellungen und Annahmen über die Welt und über andere Menschen sind. Wenn ich besser und/oder anders mit anderen umgehen will, hinzuschauen, was ist da gerade passiert, wenn es wieder mal geknallt hat. Was hat das mit mir zu tun? Gibt es da vielleicht Bedürfnisse, die ich mir selber nicht erlaubt habe? Darf der andere die dann auch nicht haben? An dieser Stelle ist auch ein Blick in die eigene Biographie oft hilfreich. Wurden mir überhaupt eigene Bedürfnisse überhaupt zugestanden? Oder musste ich eher die Bedürfnisse meiner Eltern, Lehrer oder anderer nahestehender Personen erfüllen?&#xA;&#xA;Mal auf sich selber zu schauen, ja auch mal wohlwollend zu schauen, hilft ungemein. Gerade mal eine Beobachterposition einnehmen zu können oder zu dürfen, hilft schon von Verurteilungen, Schuldzuweisungen oder Feindbildern etwas Abstand nehmen zu können. Und man lernt die Auslöser und Impulse kennen, die einen vielleicht anderen gegenüber explodieren lassen oder zum frustrierten Rückzug aus einem Konflikt bewegen.&#xA;&#xA;Man kann auch die vier Schritte nehmen und auf das Gegenüber schauen, mit dessen Verhalten ich gerade Probleme erlebe. Auch hier kann ich versuchen, eine Beobachterpositionen einzunehmen. Anzuschauen, was wirklich passiert ist, was der andere für Gefühle hat, was er brauchen könnte.  Auch das wird meist nicht direkt in einer als stressig oder problematisch empfundenen Situation funktionieren. Auch diese Betrachtung kann man zunächst mal im Nachgang machen.&#xA;&#xA;Dafür hilft es natürlich, wenn ich meine Auslöser kenne, die mich abwertend, zornig oder vielleicht aggressiv werden lassen.&#xA;&#xA;Das alles erfordert ein wenig Übung und vielleicht auch einen wohlwollend begleitenden Menschen oder eine Gruppe, die einen vielleicht dabei unterstützt, auch dabei zu bleiben, wenn es mal nicht so angenehm ist, auf sich selber zu schauen. Nicht weil, man was so blödes oder unangenehmes gemacht hat, sondern weil man bestimmte Situationen z.B. aus der Kindheit oder Jugend nicht mehr anschauen will, weil die damit verbundenen Gefühle so schmerzhaft waren. Ich wurde von Mutter gerne von anderen bloßgestellt, wenn ich etwas gesagt oder getan hatte, was nicht in ihr Weltbild passte.  Das nochmal anzuschauen und zu merken, was das noch für Auswirkungen in meinem Leben als Erwachsener hatte, war nicht einfach und es war für mich hilfreich jemand dabei zu haben und wenn es „nur“ sozusagen eine Zeugenschaft war für das was ich erlebt hatte.&#xA;&#xA;Also, ja, die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist alltagstauglich, aber nicht als Sprachmodell oder Kommunikationsmodell, sondern als Haltung sich gegenüber und als Haltung anderen gegenüber. Bei sprachlichen Verrenkungen merken Menschen schnell, wie das gemeint ist – oft nur als Hilfsmittel um meine eigenen Zwecke zu verfolgen. Wenn ich mein Haltung lebe, merken das die Menschen auch unabhängig von den Worten oder Formulierungen, die ich verwende.&#xA;&#xA;Eines möchte ich gerne noch zum Schluss erwähnen. Marshall Rosenberg ging es mit der Gewaltfreien Kommunikation sehr stark auch darum, soziale Strukturen zu verändern. Er hat in vielen Vorträgen und Büchern analysiert, warum  massive Konflikte, Streit und Kriege entstehen - dass das (auch) mit Erziehung und eben sozialen Strukturen hat. Schon wie wir aufwachsen – oft mit Schuld, Scham und Angst. Es ging ihm, zumindest verstehe ich das so, nicht darum, dass wir irgendwie einfacher und frei von Konflikten leben können und dabei einfach so unser Leben vor uns hin genießen können, egal was um uns rum passiert. Er stellte sich z.B. ein Wirtschaftssystem vor, in dem Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse arbeiten und nicht einseitig nur  die Bedürfnisse anderer erfüllen. Er hat sich auch ein anderes Rechtssystem vorgestellt (Stichwort: Restorative Justice), in dem auch Verbrecher weiterhin als Menschen gesehen werden, die sich ihre Bedürfnisse erfüllt haben - aber mit Strategien, die oft tragische und vernichtende Folgen haben.&#xA;&#xA;Das klingt heute utopisch angesichts dessen, was in der Welt passiert. Aber Marshall Rosenberg hatte immer den anderen Menschen, so fremd und bedrohlich er auch erscheinen mag, als menschliches Wesen im Blick. Alleine diese Einstellung und Haltung verdient Respekt und lädt hoffentlich auch zur Nachahmung an. Auch wenn es nicht immer gelingen mag. Aber auch dafür sollten wir uns selber nicht verurteilen.&#xA;&#xA;#Gewaltfrei #GewaltfreieKommunikation #Beobachtung #VierSchritte #4Schritte #Maturana #SozialeVeränderung #Beobachter #MetaBeobachter&#xA;&#xA;------------------------------&#xD;&#xA;!--emailsub--&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a href=&#34;https://dialogundsinn.com&#34; target=&#34;blank&#34;Dialog  und Sinn/a&#xD;&#xA;Coaching, Mentoring und Mediation&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a href=&#34;https://dialogundsinn.de/feed&#34; target=&#34;blank&#34;RSS feed/a]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg alltagstauglich?</p>

<p>Vielleicht kennen Sie auch die Aussagen von Mitmenschen, die von der GfK und/oder von Marshall Rosenberg sehr begeistert sind, dass Gewaltfreie Kommunikation im Alltag nicht so richtig funktionieren mag.  Oft wird bemängelt, das Sprechen in vier Schritten sei schwierig, weil man  viel zu lange braucht, bis man sein Anliegen „richtig“ formuliert hat. Und wenn man es dann mal geschafft hat, schaut man einem das Gegenüber etwas verwirrt an und fragt vielleicht, was man eigentlich weil, obwohl man doch auch  so ein schöne Bitte am Ende formuliert hat.</p>



<p>Ja, das kann enttäuschend sein. Bei dem Wochenendseminar, bei dem man mit der Gewaltfreinen Kommunikation vielleicht zum ersten mal näher in Kontakt gekommen ist, hört sich das alles einleuchtend und faszinierend an. So ging mir das auch. Bei einer Einführungstagung zur GfK habe ich mich mit einer Mitteilnehmerin unterhalten und wir waren beide baff über die Erkenntnis, das wir auch Bedürfnisse haben dürfen, ohne uns gleich als egoistisch zu betrachten. Auch die Gespräche unter Einsatz der vier Schritte –  oft in kleinen Rollenspielen – waren sehr gut und ich ging mit einem guten Gefühl nach Hause. Ich habe dann im Alltag ausprobiert, was ich gelernt habe und dann auch schnell wieder die Lust verloren.</p>

<p>Also doch nicht so alltagstauglich? Doch, zumindest wenn man die Gewaltfreie Kommunikation nicht alleine als Tool, als Vier-Schritte-Werkzeug betrachtet. So wie ich die Gewaltfreie Kommunikation verstehe, ist sie kein Kommunikationstool und auch keine Sprachform.</p>

<p>Die vier Schritte – also beobachten ohne zu bewerten, Gefühle erleben und sie von Gedanken und Stories unterscheiden, Bedürfnisse wahrnehmen und sie von Strategien zu unterscheiden und konkrete Bitten, die zu Erfüllung meiner Bedürfnisse hilfreich sein können, stellen ohne sie vom Gegenüber einzufordern –  sind ein sehr hilfreiches Werkzeug, um herauszufinden, wie es Marshall Rosenberg ausgedrückt hat, was in mir lebendig ist und was im Anderen lebendig ist.</p>

<p>Bevor ich mich überhaupt damit beschäftige, wie ich mit anderen besser kommunizieren kann – mit vier Schritten oder irgendwelchen anderen Tools – geht es darum, erstmal zu sich selber zu schauen. Wie sehe ich die Welt? Wie sehe ich andere Menschen? Hier stellen die vier Schritte ein sehr hilfreiches Mittel dar, nach einem Konflikt auf sich selber zu schauen. Was ist da genau passiert in der schwierigen Situation? Ohne zu bewerten – ohne den anderen abzuwerten – ohne mich selber abzuwerten – einfach nur mal in einer ruhigen Minute hinschauen.</p>

<p>Das ist, so habe ich es erlebt, gar nicht so einfach, weil oft irgendwie ganz automatisch noch viel mehr an Gedanken und Geschichten mitkommt. Wenn der andere das und das gemacht hätte, wäre alles ganz anders gelaufen – wenn ich nicht so blöd gewesen wäre und das und das gemacht hätte, hätte ich die Oberhand behalten. So einfach mal relativ faktenorientiert eine Situation zu beschreiben ist nicht so einfach – aber enorm hilfreich. Weshalb? Bereits bei diesem ersten Schritt bewege ich mich unmerklich in eine Beobachterposition, d.h. ich distanziere mich von der erlebten Situation und vielleicht auch schon von den erlebten Gefühlen. Humberto Maturana nennt das eine Metabeobachterposition – Gunter Schmidt eine Metaposition mit Wahlmöglichkeiten – Viktor Frankl spricht von Selbstdistanz.</p>

<p>Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation sind ein exzellentes Mittel, zu sich zu schauen, zu erforschen, was meine  Vorstellungen und Annahmen über die Welt und über andere Menschen sind. Wenn ich besser und/oder anders mit anderen umgehen will, hinzuschauen, was ist da gerade passiert, wenn es wieder mal geknallt hat. Was hat das mit mir zu tun? Gibt es da vielleicht Bedürfnisse, die ich mir selber nicht erlaubt habe? Darf der andere die dann auch nicht haben? An dieser Stelle ist auch ein Blick in die eigene Biographie oft hilfreich. Wurden mir überhaupt eigene Bedürfnisse überhaupt zugestanden? Oder musste ich eher die Bedürfnisse meiner Eltern, Lehrer oder anderer nahestehender Personen erfüllen?</p>

<p>Mal auf sich selber zu schauen, ja auch mal wohlwollend zu schauen, hilft ungemein. Gerade mal eine Beobachterposition einnehmen zu können oder zu dürfen, hilft schon von Verurteilungen, Schuldzuweisungen oder Feindbildern etwas Abstand nehmen zu können. Und man lernt die Auslöser und Impulse kennen, die einen vielleicht anderen gegenüber explodieren lassen oder zum frustrierten Rückzug aus einem Konflikt bewegen.</p>

<p>Man kann auch die vier Schritte nehmen und auf das Gegenüber schauen, mit dessen Verhalten ich gerade Probleme erlebe. Auch hier kann ich versuchen, eine Beobachterpositionen einzunehmen. Anzuschauen, was wirklich passiert ist, was der andere für Gefühle hat, was er brauchen könnte.  Auch das wird meist nicht direkt in einer als stressig oder problematisch empfundenen Situation funktionieren. Auch diese Betrachtung kann man zunächst mal im Nachgang machen.</p>

<p>Dafür hilft es natürlich, wenn ich meine Auslöser kenne, die mich abwertend, zornig oder vielleicht aggressiv werden lassen.</p>

<p>Das alles erfordert ein wenig Übung und vielleicht auch einen wohlwollend begleitenden Menschen oder eine Gruppe, die einen vielleicht dabei unterstützt, auch dabei zu bleiben, wenn es mal nicht so angenehm ist, auf sich selber zu schauen. Nicht weil, man was so blödes oder unangenehmes gemacht hat, sondern weil man bestimmte Situationen z.B. aus der Kindheit oder Jugend nicht mehr anschauen will, weil die damit verbundenen Gefühle so schmerzhaft waren. Ich wurde von Mutter gerne von anderen bloßgestellt, wenn ich etwas gesagt oder getan hatte, was nicht in ihr Weltbild passte.  Das nochmal anzuschauen und zu merken, was das noch für Auswirkungen in meinem Leben als Erwachsener hatte, war nicht einfach und es war für mich hilfreich jemand dabei zu haben und wenn es „nur“ sozusagen eine Zeugenschaft war für das was ich erlebt hatte.</p>

<p>Also, ja, die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist alltagstauglich, aber nicht als Sprachmodell oder Kommunikationsmodell, sondern als Haltung sich gegenüber und als Haltung anderen gegenüber. Bei sprachlichen Verrenkungen merken Menschen schnell, wie das gemeint ist – oft nur als Hilfsmittel um meine eigenen Zwecke zu verfolgen. Wenn ich mein Haltung lebe, merken das die Menschen auch unabhängig von den Worten oder Formulierungen, die ich verwende.</p>

<p>Eines möchte ich gerne noch zum Schluss erwähnen. Marshall Rosenberg ging es mit der Gewaltfreien Kommunikation sehr stark auch darum, soziale Strukturen zu verändern. Er hat in vielen Vorträgen und Büchern analysiert, warum  massive Konflikte, Streit und Kriege entstehen – dass das (auch) mit Erziehung und eben sozialen Strukturen hat. Schon wie wir aufwachsen – oft mit Schuld, Scham und Angst. Es ging ihm, zumindest verstehe ich das so, nicht darum, dass wir irgendwie einfacher und frei von Konflikten leben können und dabei einfach so unser Leben vor uns hin genießen können, egal was um uns rum passiert. Er stellte sich z.B. ein Wirtschaftssystem vor, in dem Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse arbeiten und nicht einseitig nur  die Bedürfnisse anderer erfüllen. Er hat sich auch ein anderes Rechtssystem vorgestellt (Stichwort: Restorative Justice), in dem auch Verbrecher weiterhin als Menschen gesehen werden, die sich ihre Bedürfnisse erfüllt haben – aber mit Strategien, die oft tragische und vernichtende Folgen haben.</p>

<p>Das klingt heute utopisch angesichts dessen, was in der Welt passiert. Aber Marshall Rosenberg hatte immer den anderen Menschen, so fremd und bedrohlich er auch erscheinen mag, als menschliches Wesen im Blick. Alleine diese Einstellung und Haltung verdient Respekt und lädt hoffentlich auch zur Nachahmung an. Auch wenn es nicht immer gelingen mag. Aber auch dafür sollten wir uns selber nicht verurteilen.</p>

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      <pubDate>Sun, 02 Apr 2023 11:37:17 +0000</pubDate>
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